Lob der Freundschaft, Verteidigung des Hedonismus

Kapitál
Lob der Freundschaft, Verteidigung des Hedonismus

Wie kann ein Granatapfel Überfluss, Völlerei und Oberflächlichkeit symbolisieren? Was offenbart uns seine metaphorische Darstellung im Gedicht und welche Botschaft trägt sie über unsere Beziehung zum Leben, Konsum und Freundschaft? Die Antworten können tiefere Schichten unseres Daseins enthüllen.

unsere Freundschaft, in diesem schändlichen, gefräßigen Moment
vergessen und unbedeutend, hat uns aus dem karminroten Schlamm
unauffällig eine Ranke schickte
eine kletternde Schlange, ein Keim des Ausgangs.

aus dem Gedicht Granatapfel

Als Peter Zajac schrieb, dass das Genre der Ode „ein Prinzip des Wertüberschusses (der Oberflächlichkeit)“ sei, stellte er dies vor dem Hintergrund des Gedichts von Ivan Štrpka Obst fest. Gibt es vielleicht eine andere Frucht, die die Idee des Überflusses besser verkörpert als der Granatapfel? Gerade diese Frucht bildet den Raum des gleichnamigen Gedichts von Eva Luka, und zwar buchstäblich – das Eröffnungsbild lautet: „Ich bin in den Granatapfel eingetreten.“ Die lyrische Akteurin ist hier jedoch nicht allein – Gesellschaft leistet ihr eine Freundin.

Der Text bietet eine lebendige metaphorische Beschreibung der titelgebenden Frucht, mit mehreren Bildern, absichtlich ins Absurde geführt, was die Wirkung der Oberflächlichkeit funktional verstärkt. Vollgepackte kleine essbare Rubine des Granatapfels haben somit ihr Äquivalent in vollen Pranken funkelnder poetischer Bilder. Die inszenierte Situation führt anschließend zu Gier und Völlerei: „aber manchmal sahen wir uns gegenseitig / wie wir gierig unsere / blutüberströmten, erzählten Münder stopften“.

Völlerei in dem Gedicht vergegenwärtigt den wichtigen biblischen Kontext, nicht nur als tödliche Sünde, sondern auch im Zusammenhang mit dem Apfel als Symbol Evas Transgression gegenüber göttlicher Autorität (ein Akt, den wir nicht automatisch negativ bewerten müssen). Und durch die Störung der Freundschaft wird er zugleich zum „Apfel der Zwietracht“ aus der antiken Mythologie. Völlerei verweist jedoch implizit auch auf eine konsumorientierte Lebensweise, die uns eigen ist und sehr destruktiv sein kann: für unsere Umgebung, für den Planeten, für uns.

Es könnte also scheinen, dass das Gedicht darüber handelt, wie Oberflächlichkeit zwangsläufig in Völlerei mündet, dass sein Thema die Fallstricke des Hedonismus sind. Ich bin jedoch der Meinung, dass Luka zwar mit der Philosophie des Hedonismus arbeitet, aber genau in der entgegengesetzten Bedeutungsposition. Oberflächliche Wahrnehmung des Hedonismus führt wirklich dazu, dass wir so viel sinnliche Eindrücke wie möglich in uns hineinstopfen. Bei genauerem Hinsehen geht es jedoch eher um eine existenzielle Erfahrung der unterschiedlichsten äußeren Reize, die zu einem erfüllten Leben führen.

Im zitierten Schluss zeigt das Gedicht, womit wir uns wirklich sättigen können, wenn nicht mit Essen oder Konsumgütern. Und das mit minimalem Risiko des „Verdammens“, also des Verschwendens des Lebens durch oberflächlichen konsumistischen „Hedonismus“. Der Text bewegt sich weg von atomisiertem Erleben hin zu einer gemeinschaftlicheren Lebensweise. Gerade „unsere Freundschaft“ kann uns als „Keim des Ausgangs“ den Weg aus den Gefängnissen unermesslichen Konsums aufzeigen.

Eva Luka: Nekromantik. Kordíky, Skalná ruža, 2025.