Ewigkeit Chemikalie hat sich in österreichischem Grundwasser innerhalb von fünf Jahren verdoppelt – derselbe Stoff ist im dänischen Trinkwasser weit verbreitet

Økologisk Nu
Ewigkeit Chemikalie hat sich in österreichischem Grundwasser innerhalb von fünf Jahren verdoppelt – derselbe Stoff ist im dänischen Trinkwasser weit verbreitet

Die Konzentrationen der umstrittenen Ewigkeitssubstanz TFA (Trifluoreddikesäure) im österreichischen Grundwasser ist in den letzten etwa fünf Jahren an mehreren Stellen deutlich gestiegen. Dies zeigt eine neue Analyse der Messdaten des österreichischen Landwirtschaftsministeriums, auf die die Umweltorganisation Global 2000 Einsicht erhalten hat, und die in Zusammenarbeit mit der Umweltorganisation Pesticide Action Network (PAN Europe) sowie Forschern mehrerer Universitäten analysiert wurde. Das Landwirtschaftsministerium untersuchte 98 Grundwasserstandorte im Jahr 2018/2019 und 107 im Jahr 2024. Davon waren 16 in beiden Zeitreihen enthalten – sie sind nicht repräsentativ, aber über acht der neun österreichischen Bundesländer verteilt – und können somit ein Bild davon geben, ob die Kontamination mit TFA abnimmt, stagniert oder zunimmt. Alle 16 Messstellen zeigten einen Anstieg der TFA-Konzentration von 2018/2019 bis 2024. Der durchschnittliche TFA-Gehalt stieg von 1,36 auf 2,86 Mikrogramm pro Liter, was mehr als eine Verdopplung ist. An einer Stelle hat sich die Konzentration mehr als vervierfacht zwischen der ersten und der zweiten Messung. Auch in Dänemark weit verbreitet Dass sich TFA über Jahrzehnte angesammelt hat, ist an anderen Orten dokumentiert. In 113 dänischen Grundwasserbohrungen haben Forscher vom GEUS und der Universität Bremen nachgewiesen, dass im jüngsten Grundwasser mehr TFA vorhanden ist, und so eine Zunahme über 60 Jahre dokumentiert. TFA ist mittlerweile im dänischen Grundwasser weit verbreitet und wurde bisher in etwa 40 % der Wasserwerksbohrungen gemessen, die im Zeitraum 2021 bis 2024 untersucht wurden, sowie in 89 % der 247 untersuchten GRUMO-Bohrungen. In Frankreich wurde TFA in über 90 % von mehr als 1.000 Proben von Trink- und Rohwasser gefunden, und eine Studie hat TFA in mehreren konventionellen Frühstücksprodukten in ganz Europa nachgewiesen. Ein Ausschuss der Europäischen Chemikalienagentur (ECHA), der EU-Behörde für Chemikalien, empfahl im Juni, TFA als reproduktionstoxisch der Kategorie 1B zu klassifizieren. Das bedeutet, dass das Stoff das ungeborene Kind schädigen kann und verdächtigt wird, die Fortpflanzungsfähigkeit zu verringern. Die Klassifizierung muss formell von der EU-Kommission beschlossen werden. „Die Zahlen offenbaren nicht nur ein Verschmutzungsproblem, sondern ein Problem, das sich schnell verschärft. Gerade die Kombination aus bereits hohen Konzentrationen und einem anhaltenden Anstieg macht die Ergebnisse so besorgniserregend. Wir müssen den Anstieg schnell stoppen. Ein wichtiger Schritt ist die Abschaffung von PFAS-Pestiziden und F-Gasen, die TFA bilden“, sagt Helmut Burtscher-Schaden, Umweltchemiker bei Global 2000, in einer Pressemitteilung. Starker Zusammenhang mit der Landwirtschaft Gemeinsam mit Forschern der Universität Wien, des Karolinska-Instituts, des Norwegischen Geotechnischen Instituts/NTNU und der NGO Pesticide Action Network (PAN Europe) hat er die Daten analysiert, die die Behörden bereitgestellt haben. Die Analyse wurde als Preprint auf chemrxiv.org veröffentlicht und ist somit noch nicht peer-reviewed. Die Autoren untersuchten auch, ob die TFA-Messungen auf PFAS-Pestizide zurückzuführen sind, indem sie die Funde an einzelnen Messstellen mit entsprechenden Pestizid- und Nitratbelastungen verglichen. Dabei fanden sie einen relativ starken Zusammenhang mit der Menge an Pestiziden in denselben Bohrungen und einen starken bis moderaten Zusammenhang mit dem Nitratgehalt infolge der Düngung. Die TFA-Belastung zeigte gleichzeitig keinen Zusammenhang mit den 27 anderen PFAS-Stoffen, für die die Bohrungen gemessen wurden, die typischerweise aus Industrie und Verbraucherprodukten stammen. „Dieses Muster deutet darauf hin, dass der Einsatz von PFAS-Pestiziden in der Landwirtschaft wesentlich zur TFA-Belastung beiträgt“, sagt Helmut Burtscher-Schaden, der hinzufügt, dass andere TFA-Quellen wie z.B. F-Gase nicht ausgeschlossen werden können, die zur Kontamination beigetragen haben könnten. 24-mal über dem Grenzwert Hierzulande haben die Behörden dokumentiert, dass PFAS-Pestizide, die TFA bilden, das Grundwasser verunreinigen können. Dies führte im vergangenen Jahr zum Verbot von 33 Pflanzenschutzmitteln. In diesem Jahr wurden fünf weitere Wirkstoffe genauer unter die Lupe genommen, da sie ebenfalls verdächtigt werden, mit TFA zu kontaminieren. In der EU gilt ein Grenzwert von 0,1 Mikrogramm pro Liter für toxikologisch relevante Abbauprodukte von Pestiziden im Grundwasser. Die EU-Kommission stellte im Mai 2024 fest, dass TFA als solches Abbauprodukt betrachtet werden sollte. Bei den im Jahr 2024 untersuchten Messstellen lagen 103 von 107 Messungen über dem Grenzwert, und die Durchschnittskonzentration war laut Pressemitteilung etwa 24-mal höher. Der Toxikologe Mattias Öberg vom schwedischen Karolinska-Institut und Mitautor der Studie sagt, die Funde seien mehr als nur lokale Ergebnisse. „TFA reichert sich weltweit an, und was heute in die Umwelt gelangt, verbleibt in den Wasserkreisläufen für mehrere Generationen. Die wichtigste Frage ist nicht nur, ob die aktuellen Konzentrationen uns bereits schaden, sondern welche Konzentrationen wir den kommenden Generationen hinterlassen. Wenn wir warten, bis die gesundheitlichen Richtwerte überschritten werden, bevor wir Maßnahmen ergreifen, haben wir praktisch bereits beschlossen, keine präventiven Schritte einzuleiten“, sagt er in der Pressemitteilung. Angeliki Lyssimachou, leitende Umwelttoxikologin bei PAN Europe, fordert nun alle EU-Länder auf, ihr Grundwasser auf TFA zu untersuchen, und die EU-Kommission auf, PFAS-Pestizide abzubauen. Sie verweist darauf, dass die EU-Regeln die Mitgliedstaaten verpflichten, eine erneute Bewertung der Zulassung vorzunehmen, wenn sie der Ansicht sind, dass die Wasserziele nicht erreicht werden können, und die Zulassung zu ändern oder zurückzuziehen, wenn das Mittel das Grundwasser in unakzeptabler Weise verunreinigt. Ministerium: Keine Grundlage für allgemeine Schlussfolgerungen Die österreichische Bio-Organisation Bio Austria fordert ebenfalls sofortiges Handeln und weist darauf hin, dass die Regierungsgrundlage bereits Bestimmungen enthält, die eine stärkere Unterstützung bei der Entwicklung biologischer Bekämpfungsmethoden als Alternative zu synthetischen Mitteln vorsehen. Da PFAS-Chemikalien synthetisch hergestellt sind, wären biologische Methoden und Mittel ein Werkzeug, um eine weitere PFAS-Kontamination durch Pestizide zu verhindern. „Das muss jetzt umgesetzt werden“, sagt die Vorsitzende von Bio Austria, Barbara Riegler, laut Nachrichtenagentur APA. Das Landwirtschaftsministerium plant jedoch kein sofortiges Handeln. Es teilt der Nachrichtenagentur mit, dass die Funde ernst genommen werden, aber die Anzahl der direkt vergleichbaren Messstellen gering sei und die Messungen aus potenziell belasteten Gebieten stammten, weshalb sie keine Grundlage für allgemeine Aussagen über die Entwicklung im Grundwasser böten. Ziel sei es, „das Grundwasser, die Umwelt und die Gesundheit auf hohem Niveau zu schützen und gleichzeitig eine nachhaltige landwirtschaftliche Produktion und hochwertige Lebensmittelversorgung sicherzustellen“. Daher wolle das Ministerium „alle relevanten“ Quellen der Kontamination untersuchen, und weitere Maßnahmen – einschließlich Verbote – sollten auf EU-Ebene diskutiert werden.

Die Konzentration des umstrittenen Ewigkeitssubstanz TFA (Trifluoreddikesäure) im österreichischen Grundwasser ist in den letzten ca. fünf Jahren an mehreren Stellen deutlich angestiegen.

Das zeigt eine neue Analyse der Messdaten des österreichischen Landwirtschaftsministeriums, die die Umweltorganisation Global 2000 eingesehen hat, und die in Zusammenarbeit mit der Umweltorganisation Pesticide Action Network (PAN Europe) sowie Forschern mehrerer Universitäten analysiert wurde.

Das Landwirtschaftsministerium untersuchte 98 Grundwasser-Messstellen in 2018/2019 und 107 im Jahr 2024. Davon waren 16 in beiden Zeitreihen enthalten – sie sind nicht repräsentativ, aber über acht von Österreichs neun Bundesländer verteilt – und können somit ein Bild davon geben, ob die Kontamination mit TFA abnimmt, stagniert oder zunimmt.

Alle 16 Messstellen zeigten einen Anstieg der TFA-Konzentration von 2018/2019 bis 2024.

Der durchschnittliche TFA-Gehalt stieg von 1,36 auf 2,86 Mikrogramm pro Liter, was mehr als eine Verdopplung ist. An einer Stelle hat sich die Konzentration mehr als vervierfacht zwischen der ersten und der zweiten Messung.

Auch in Dänemark weit verbreitet

Dass sich TFA über Jahrzehnte ansammelt, ist an anderen Orten dokumentiert. In 113 dänischen Grundwasserbohrungen haben Forscher vom GEUS und der Universität Bremen nachgewiesen, dass mehr TFA im jüngsten Grundwasser vorhanden ist, und sie haben so eine Zunahme über 60 Jahre dokumentiert.

Derzeit ist TFA im dänischen Grundwasser weit verbreitet und wurde bisher in ca. 40 % der Wasserwerke im Zeitraum 2021 bis 2024 untersucht sowie in 89 % von 247 untersuchten GRUMO-Bohrungen.

In Frankreich hat man TFA gefunden in über 90 % von mehr als 1.000 Proben von Trink- und Rohwasser, und eine Untersuchung hat TFA in mehreren konventionellen Frühstücksprodukten in ganz Europa nachgewiesen.

Ein Ausschuss der ECHA, der EU-Kemikalienagentur, empfahl im Juni, TFA als giftig für die Fortpflanzung in Kategorie 1B zu klassifizieren. Das bedeutet, dass das Stoff das ungeborene Kind schädigen kann und verdächtigt wird, die Fortpflanzungsfähigkeit zu verringern. Die Klassifizierung muss formell von der EU-Kommission beschlossen werden.

"Die Zahlen offenbaren nicht nur ein Verschmutzungsproblem, sondern ein Problem, das sich schnell verschärft. Gerade die Kombination aus bereits hohen Konzentrationen und einem anhaltenden Anstieg macht die Ergebnisse so besorgniserregend. Wir müssen den Anstieg schnell stoppen. Ein wichtiger Schritt ist die schrittweise Abschaffung von PFAS-Pestiziden und F-Gasen, die TFA bilden," sagt Helmut Burtscher-Schaden, Umweltchemiker bei Global 2000, in einer Pressemitteilung.

Starke Verbindung zur Landwirtschaft

Gemeinsam mit Forschern der Universität Wien, des Karolinska-Instituts, des Norwegischen Geotechnischen Instituts/NTNU und der NGO Pesticide Action Network (PAN Europe) hat er die Daten analysiert, die die Behörden bereitgestellt haben. Die Analyse wurde als Preprint auf chemrxiv.org veröffentlicht und ist somit noch nicht peer-reviewed.

Die Autoren untersuchten auch, ob die TFA-Messungen auf PFAS-Pestizide zurückzuführen sind, indem sie die Funde an einzelnen Messstellen mit entsprechenden Pestizid- und Nitratkontaminationen verglichen.

Dabei fanden sie eine relativ starke Verbindung mit der Menge an Pestiziden in den gleichen Bohrungen und eine starke bis mäßige Verbindung mit dem Nitratgehalt, der durch Düngung verursacht wird.

Die TFA-Verschmutzung zeigte gleichzeitig keine Verbindung zu den 27 anderen PFAS-Stoffen, für die die Bohrungen gemessen wurden, und die typischerweise aus Industrie und Verbraucherprodukten stammen.

"Dieses Muster deutet darauf hin, dass der Einsatz von PFAS-Pestiziden in der Landwirtschaft wesentlich zur TFA-Belastung beiträgt," sagt Helmut Burtscher-Schaden, der hinzufügt, dass andere TFA-Quellen wie z.B. F-Gase nicht ausgeschlossen werden können, die zur Verschmutzung beigetragen haben.

24-fach über dem Grenzwert

Hierzulande haben die Behörden dokumentiert, dass PFAS-Pestizide, die TFA bilden, das Grundwasser verschmutzen können. Dies führte im letzten Jahr zu einem Verbot von 33 Spritzmitteln. In diesem Jahr wurden fünf weitere Wirkstoffe genauer untersucht, da sie ebenfalls verdächtigt werden, mit TFA zu verschmutzen.

In der EU gilt ein Grenzwert von 0,1 Mikrogramm pro Liter für toxikologisch relevante Abbauprodukte von Pestiziden im Grundwasser. Die EU-Kommission stellte im Mai 2024 fest, dass TFA als solches Abbauprodukt betrachtet werden sollte. Bei den im Jahr 2024 untersuchten Messstellen lagen 103 von 107 Messungen über dem Grenzwert, und die Durchschnittskonzentration war laut Pressemitteilung etwa 24-mal höher.

Mattias Öberg, Toxikologe am schwedischen Karolinska-Institut und Mitautor der Studie, sagt, die Funde seien mehr als nur lokale Ergebnisse.

"TFA reichert sich weltweit an, und was heute freigesetzt wird, verbleibt in den Wasserkreisläufen für mehrere Generationen. Die wichtigste Frage ist nicht nur, ob die aktuellen Konzentrationen uns bereits schaden, sondern welche Konzentrationen wir den kommenden Generationen hinterlassen. Wenn wir warten, bis die gesundheitlichen Richtwerte überschritten werden, bevor wir Maßnahmen ergreifen, haben wir praktisch bereits beschlossen, keine präventiven Schritte einzuleiten," sagt er in der Pressemitteilung.

Angeliki Lyssimachou, leitende Umwelttoxikologin bei PAN Europe, fordert nun alle EU-Länder auf, ihr Grundwasser auf TFA zu untersuchen, und die EU-Kommission auf, PFAS-Pestizide abzuschaffen.

Sie verweist darauf, dass die EU-Regeln die Mitgliedstaaten verpflichten, eine erneute Bewertung der Zulassung vorzunehmen, wenn sie der Ansicht sind, dass die Wasserziele nicht erreicht werden können, und die Zulassung zu ändern oder zurückzuziehen, wenn das Mittel das Grundwasser in unzumutbarem Maße verschmutzt.

Ministerium: Keine Grundlage für allgemeine Schlussfolgerungen

Die österreichische Umweltorganisation Bio Austria fordert ebenfalls sofortiges Handeln und weist darauf hin, dass die Regierungsgrundlage bereits Bestimmungen enthält, um die biologische Bekämpfung als Alternative zu synthetischen Mitteln zu fördern. Da PFAS-Chemikalien synthetisch hergestellt sind, wären biologische Methoden und Mittel somit ein Werkzeug, um eine weitere PFAS-Verschmutzung durch Spritzmittel zu verhindern.

"Dies muss jetzt umgesetzt werden," sagt die Vorsitzende von Bio Austria, Barbara Riegler, laut der Nachrichtenagentur APA.

Das Landwirtschaftsministerium plant jedoch kein sofortiges Handeln. Es teilt der Nachrichtenagentur mit, dass man die Funde ernst nehme, aber die Anzahl der direkt vergleichbaren Messstellen gering sei und die Messungen aus potenziell belasteten Gebieten stammten, weshalb sie keine Grundlage für allgemeine Aussagen über die Entwicklung im Grundwasser böten.

Das Ziel sei laut Ministerium, „das Grundwasser, die Umwelt und die Gesundheit auf hohem Niveau zu schützen und gleichzeitig eine nachhaltige landwirtschaftliche Produktion und hochwertige Lebensmittelversorgung sicherzustellen“.

Deshalb wolle man „alle relevanten“ Quellen der Kontamination untersuchen, und weitere Maßnahmen – einschließlich Verbote – sollten auf EU-Ebene diskutiert werden.